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Radeberg - Lotzdorf, Vereinnahmung / Einverleibung per 1. Januar 1920, 100 Jahre Panung 1919
2019 - 100. Jubiläum der Planung der Einverleibung / Vereinnahmung Lotzdorfs zu Radeberg. Die Einverleibung erfolgte am 1. Januar 1920.
Radeberg Lotzdorf Einverleibung 100 Jahr
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Einverleibung - Vereinnahmung  Lotzdorf in Radeberg zum 1.1.1920

Dem Zahlwort NEUN wird seit jeher eine besondere Bedeutung zugeschrieben, da es im übertragenen Sinn für „NEU“ stehen soll und dementsprechend so gedeutet wird. Die NEUn scheint auch in der Geschichte eine magische Zahl zu sein, denkt man an die vielen Ereignisse, die mit einer NEUn in Jahreszahlen verbunden waren und durchaus auch immer mit NEUem einhergingen, denken wir nur an Jahreszahlen wie 1539 (Reformation in Sachsen), 1789 (Französische Revolution), 1799 (Staatsstreich Napoleons), 1849 (Dresdner Mairevolution), 1919 (Ende Deutsches Kaiserreich zur Weimarer Republik, Frauenwahlrecht), 1939 (Ausbruch Zweiter Weltkrieg), 1949 (Gründung BRD u.DDR), 1989 (Friedliche Revolution). Die Zahl NEUn mit ihrem Bezug zu NEU hat es also durchaus in sich.  

Auch in der unmittelbaren Geschichte der Stadt Radeberg spielt die NEUn eine Rolle, denn auch in unserer Geschichte kommt dem Zahlwort NEUn eine nicht unerhebliche Bedeutung zu. Radeberg feiert seine Ersterwähnung von 1219 nach 800 Jahren in diesem Jahr 2019. Ganz Deutschland feiert in eben diesem Jahr 2019 die friedliche Revolution von 1989 mit der Öffnung der Grenze und dem Beginn des Wiedervereinigungsprozesses. Und auch das kleine Dorf Lotzdorf darf in diesem Jahr 2019 auf ein besonderes Jubiläum zurückblicken, denn genau vor 100 Jahren wurde der Vertrag am 6. Oktober 1919 unterzeichnet, der auf Grundlage des neuen Radeberger Ortsgesetzes die geplante Einverleibung / Inkorpotation  Lotzdorfs mit Radeberg ab dem 1. Januar 1920 besiegelte. Lotzdorf existierte damit nur noch bis zum 31. Dezember 1919 als eigenständige Gemeinde, um ab 1. Januar 1920 zum Stadtteil von Radeberg zu werden. Diese Vereinigung mit Radeberg bedeutete übrigens juristisch einen völlig anderen Status als später die Eingemeindungen von Ullersdorf, Großerkmannsdorf oder Liegau und besteht bis heute. Gleichzeitig wurde auch die Wiedervereinigung der Standesämter Radeberg und Lotzdorf und die Einverleibung der Schulgemeinde Lotzdorf ab 1. Januar 1920 vollzogen.

Dieser offensichtlich seit längerer Zeit geplante und angestrebte Akt der Einverleibung / Vereinigung ging übrigens von den Stadtoberhäuptern Radebergs aus, nicht von dem Gemeinderat Lotzdorfs, der sich lange weigerte, diesen Schritt zu gehen, wie die Protokolle der Gemeindeakten 1918 belegen: „Der Gemeinderat beschließt das Gesuch der Stadt Radeberg zwecks Einverleibung abzulehnen, da wir keine Veranlassung haben, dafür einen Antrag zu stellen. Der Stadtrat müsste selbst an die Gemeinde herantreten…“. Die Stadt Radeberg zeigte sich seit langem interessiert an dem eigenständigen Dorf und seiner Gemarkung, welche bis zur Dresdner Heide reichte und mit ihren Ausdehnungen für die Stadtentwicklung weitere Ausbreitungsmöglichkeiten bot. Radeberg war durch seine Industrie gewachsen, aber ebenso hatte Lotzdorf sich zunehmend vergrößert und war zu einem beliebten Wohnstandort vieler Radeberger Arbeiter geworden. Beide Orte waren durch Bebauung so nahe aneinandergerückt, dass sich kaum noch eine Grenze erkennen ließ. Das Kuriosum von Stadt und Dorf bestand in dem „Scharfen Zacken Lotzdorfs“, einem Dorn der Lotzdorfer Gemarkung, der sich von Lotzdorf aus mittig als Dreieck, als heute bebaute Fläche zwischen Dr.-Rudolf-Friedrichs-Straße und Badstraße, in das Radeberger Gebiet bis zum damaligen Sandberg bohrte (später abgetragen/ Gegend am Ärztehaus). Dieser Dorn brachte Probleme der Rechtsverhältnisse mit sich, denn damit waren die damalige Friedrichsstraße und die Badstraße je in der Mitte geteilt und mussten als Grenzstraßen behandelt werden. Kosten für Straßeninstandsetzungen, Straßenbeleuchtungen, Beschleusungen wurden immer wieder zum Zankapfel zwischen der Stadt Radeberg und der Gemeinde Lotzdorf. Mit der geplanten Vereinigung ab Januar 1920 wurden diese Diskrepanzen behoben.

 

 Quellen:

  1. Sitzung Stadtverordnetenkollegium, 11. April 1900: Vorlegung und Prüfung über Rechtsverhältnisse an Grenzstraßen der Stadt Radeberg und Gemeinde Lotzdorf.
  2. Radeberger Zeitung 17. Dez. 1919: Einverleibung Lotzdorf
  3. Gemeindeprotokolle Lotzdorf 18.Okt. 1918: Gesuch für Einverleibung

 

 

Renate Schönfuß-Krause

November 2019

 

Veröffentlicht in „die Radeberger“  Ausg. 45/2019 vom 8.11.2019