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Ludwig Adrian Richter - Ludwig-Richter-Schule Lotzdorf - Wachau
Ludwig-Richter-Schule - Namensgebung.pdf
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Veröffentlicht in "die Radeberger"    Nr. 06  v. 10.02.2017           


Ludwig Adrian Richter - der berühmte Enkel eines Kammerherrn von Schloss Wachau wurde zum Namensgeber der Lotzdorfer Schule

 

Warum die Lotzdorfer Schule ausgerechnet den Namen Ludwig Richter erhielt und seit wann diese Namensumbenennung überhaupt besteht, das hat in der Vergangenheit nicht nur die Lotzdorfer Einwohner immer wieder interessiert.

 

Und, Sie lesen durchaus richtig: Der zwar selbst zu Dresden geborene, berühmte Maler und Zeichner der Spätromantik, Ludwig Adrian Richter (1803-1884), hatte seine Wurzeln der Familienabstammung in unserem Nachbarort Wachau. Eine bisher relativ wenig bekannte Tatsache, die mit den Forschungen zu der Namensumbenennung der Lotzdorfer Schule in Ludwig-Richter-Schule wieder relevant wurde. Ludwig Richter selbst beschreibt seine Herkunft aus dem Dorf Wachau in seinem Buch „Lebenserinnerungen eines deutschen Malers“ wie folgt: „Beide Großeltern waren lutherisch gewesen, ja die Großmutter war die Tochter eines Schulmeisters zu Wachau, und einer ihrer Brüder Pastor in Döbrichau bei Wittenberg.“ Um nochmals endgültige Klärung zu seiner Herkunft in unserer Region zu finden, wurden Recherchen im August 2016 durchgeführt. Die Eintragungen im Kirchenbuch Wachau belegen eindeutig: Ludwig Richters Vorfahren kamen aus Wachau, auch väterlicherseits. Sein Großvater Heinrich Carl Richter (1744-1834) war Kammerherr bei Johann Georg Graf von Schönfeld (1718-1770) auf Schloss Wachau, später hatte er sich eine Kupferstichdruckerei in Dresden eingerichtet. Er schaute auf ein langes Leben zurück und hatte viele lustige Begebenheiten, auch unsere unmittelbare Region betreffend, an seinen Enkel Ludwig weitergegeben.

 

Kirchenbuch Wachau b. Radeberg: Geburts-Eintrag vom 11. März 1770 für Carl August Immanuel Richter, den Vater von Ludwig Richter
Kirchenbuch Wachau b. Radeberg: Geburts-Eintrag vom 11. März 1770 für Carl August Immanuel Richter, den Vater von Ludwig Richter

Der Vater von Ludwig Richter, Carl August Richter (1770-1848) wurde in Wachau geboren und wuchs dort auf, bevor er 1793 sein Studium an der Kunstakademie Dresden aufnahm und 1810 daselbst zum Professor für Kupferstich ernannt wurde. Aber richtig berühmt wurde vor allem sein Sohn, der Maler und Zeichner Ludwig Adrian Richter, später selbst Professor an der Kunstakademie Dresden. Nach ihm wurde die Lotzdorfer Schule umbenannt.

Darüber wurde in der Vergangenheit immer wieder gerätselt: Weshalb hatte gerade die Schule Lotzdorf den Namen Ludwig Richter erhalten? Und was könnte Ludwig Richter mit Lotzdorf oder Radeberg verbunden haben? Vor allem wurde das immer wieder deshalb hinterfragt, weil diese Ehrung des Künstlers in einer Zeit vorgenommen wurde, in der die liebliche, romantisch-verklärte Kunst eines Ludwig Richter absolut nicht den Kunstauffassungen der angestrebten sozialistischen Gesellschaftsordnung entsprach. Ludwig Richters Werke waren das ganze Gegenteil, weit davon entfernt und passten eigentlich so gar nicht in die ideologische Ausrichtung der Nachkriegszeit mit ihrer Kunstentwicklung.

 

Die 3 Generationen der Richters: Links die Großeltern aus Wachau; Mitte Vater Carl August Richter, geb. in Wachau; rechts Ludwig Richter;    Quelle: Paul Mohn (li. u. Mi.), Wikimedia re
Die 3 Generationen der Richters: Links die Großeltern aus Wachau; Mitte Vater Carl August Richter, geb. in Wachau; rechts Ludwig Richter; Quelle: Paul Mohn (li. u. Mi.), Wikimedia re

Dabei war es bisher kaum einem Künstler so wie ihm gelungen, mit seinen Radierungen, Zeichnungen und Holzschnitten, die im 19. Jahrhundert in großen Auflagen gedruckt und in zahlreichen Kalendern, Märchenbüchern und Hausbüchern veröffentlicht wurden, den Nerv der Volksseele zu erreichen. Er wurde zum „Maler der kleinen Leute“, auch der Armen. Er ließ ihre kleine, bescheidene Welt durch seine Kunst etwas reicher erscheinen und machte sie ein bisschen schöner.

In einer Dorfschule.  Radierung von J.G. Hantzsch nach einer Zeichnung von Ludwig Richter, 1836. Romantische Bilder - Zeichnungen Nr. 13
In einer Dorfschule. Radierung von J.G. Hantzsch nach einer Zeichnung von Ludwig Richter, 1836. Romantische Bilder - Zeichnungen Nr. 13

Natürlich mit dem seiner Zeit gemäßen Stil der absolut romantischen Verklärung, der Überhöhung, der sittlich-religiösen Darstellungen. Seine Auseinandersetzungen mit den Alltäglichkeiten des Lebens einfacher Menschen, seine Dorfszenen und Familienidylle wurden in ihrer kompositorischen Darstellung für jede Generation liebenswert und einprägsam, im wahrsten Wortsinn volkstümlich. Eigentlich etwas, was nach dem Kriegsende 1945 nicht gefragt, zum Teil auch gern als „Kitsch“ verpönt wurde. Und dennoch geschah diese Namensgebung für die Lotzdorfer Schule!

Die Frage stand immer wieder: Warum, weshalb und vor allem seit wann war die Lotzdorfer Schule zur Ludwig-Richter-Schule umbenannt worden? Dass dies nach dem Kriegsende 1945 passiert sein musste, war klar, jedoch fehlte bisher für die Umbenennung das genaue Datum - übrigens bis heute. Leider war es trotzt vielfacher Bemühungen nicht möglich, gerade diese, offenbar bisher verschollenen Protokolle der Stadtratssitzungen zum Thema Schulumbenennung im Stadtarchiv Radeberg aufzufinden. Nur eines ist in der Zwischenzeit gewiss, die Umbenennung der Lotzdorfer Schule erfolgte zeitgleich mit der Namensvergabe für die weiteren Radeberger Volksschulen.

Dabei handelte es sich um eine Maßnahme, wie sie gesellschaftliche Veränderungen oft mit sich bringen. Neue Ideen, neue Ausrichtungen und Profile gehen zumeist mit neuen Namenslegungen einher. Straßen, Schulen, öffentliche Einrichtungen, ja selbst ganze Städte wurden und werden zum Teil umbenannt. Man entledigt sich nur allzu gern der „Altlasten“ in jeglicher Form, die an die Vergangenheit erinnern könnten. Mit dieser Art „Selbstreinigung und Geschichtsbewältigung“ wird Altes gestürzt, um Neues entstehen zu lassen. Und so geschah es auch nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges ab Mai 1945. Als einer der ersten Schritte in eine neue Zukunft wurden, per 20. Juni 1945, von der damaligen neu eingesetzten Magistratsverwaltung Radeberg die von der nationalsozialistischen Zeit geprägten Straßennamen in Radeberg verändert. Gleichzeitig wurde festgelegt, die Lotzdorfer Brücke als „Otto-Uhlig-Brücke“ zu bezeichnen und mit einer Ehrentafel zu versehen. Die Lotzdorfer Karlstraße und Friedrichstraße wurden ebenfalls auf ihre Namensherkunft überprüft. Der von der Stadtverwaltung dazu beauftragte ehemalige Oberschullehrer, Prof. Dr. Arlt, kam zu dem unverfänglichen Ergebnis, dass die Straßenbenennungen einst „durch den Gemeindevorstand zu Lotzdorf erfolgten“ und „wahrscheinlich an ehemalige Lotzdorfer Gemeindeälteste erinnern“. Der Name der Karlstraße blieb bestehen, die Friedrichstraße wurde in Dr.-Rudolf-Friedrichs-Straße gewandelt, um damit Dr. Rudolf Friedrichs (1892-1947) zu ehren, den ersten Dresdner Oberbürgermeister und Ministerpräsidenten der Landesverwaltung Sachsen nach 1945.

Besonderes Augenmerk wurde auf die zukünftige Erziehung und Bildung der Jugend gelegt. Die Lotzdorfer Schule war die erste, die bereits im Mai 1945, nur wenige Tage nach Kriegsende, ihren regulären Unterricht wieder aufnehmen konnte. Das war nicht selbstverständlich, wenn man im Protokoll des Radeberger Magistrats vom 20. Juni 1945 erfährt: „Rücksprache mit dem Kommandant wegen Freigabe der Mädchenschule zwecks Vorrichten und Wiederinbetriebnahme genommen“.

Bereits im Sommer 1945 bis zum Frühjahr 1946 begannen durch die Sowjetische Militäradministration (SMAD) die Vorbereitungen, ein demokratisches Schulgesetz in sämtlichen Ländern der Sowjetischen Besatzungszone und dem Sowjetischen Sektor von Groß-Berlin einzuführen und durchzusetzen. Ab 1. September 1946 trat das „Gesetz zur Demokratisierung der deutschen Schule als Einheitsschule“ in Kraft. Die Einheitsschule zeichnete sich durch Schulgeld- und Gebührenfreiheit aus. Außerdem wurden durch die SMAD neue Lehrpläne und Stundentafeln eingeführt, „wobei dem Schulbetrieb selbst die russische Stundentafel zugrunde gelegt wurde“, was mit einer nicht unerheblichen Erhöhung an Unterrichtsstunden verbunden war. Damit sollte eindeutig die neue Zeit, der Neubeginn dokumentiert werden, der mit der Abschaffung alter Strukturen einherging. Mit der Schulreform war gleichzeitig auch die Entnazifizierung der Lehrerschaft verbunden. Dem damit vorerst herbeigeführten Lehrermangel konnte durch die Einstellung sogenannter Berufseinsteiger als Neulehrer (NL) begegnet werden. In Radeberg „wurden zwei ältere Lehrer, die Herren Hilbert und Köhler, mit der Sonderaufgabe betraut, die NL fachlich, methodisch und politisch auszurichten, um die Jugenderziehung in neue Bahnen zu lenken.“

 

Vermutlich erfolgte gleichzeitig mit der Einführung des neuen Schulgesetzes im September 1946 auch die Umbenennung der Schulen. Offensichtlich relativ unspektakulär. Geschuldet war diese Tatsache sicherlich den Problemen, die von der Stadtverwaltung Radeberg für die einheimische Bevölkerung und zusätzlichen Umsiedler und Ausgebombten zu lösen waren. Und besonders auch für die Kinder. Man ersieht aus den Protokollen der Ratssitzungen des Stadtrates die heute unvorstellbaren Probleme, z.B. die Festlegungen am 19.3.1946 unter Wohlfahrtsangelegenheiten: „Die Einrichtung eines Heimes für verlauste Kinder“, oder vom 10. November 1947 „die Zahl der ausgegebenen Bezugsscheine für Holzschuhe für Schulkinder und für Berechtigungsscheine für Schuhbesohlungen“. An erster Stelle standen immer wieder die katastrophalen Ernährungs- und Versorgungsfragen, das Organisieren von Heizmaterial, die Sorgen durch die bestehende Wohnungsnot. Mit halbverhungerten und -erfrorenen Menschen ließ sich schlecht eine neue Gesellschaftsordnung aufbauen. Schon der Dramatiker Bertolt Brecht (1898-1956) brachte die Reihenfolge des Menschseins in seiner Dreigroschenoper sarkastisch auf den Punkt: „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral - Denn wovon lebt der Mensch?“.

Bereits in der Magistratssitzung vom 12. Nov. 1945 wurde festgelegt, Lebensmittel aus den Dörfern heranzuschaffen, um die hungernden Schulkinder wenigstens mit einer Suppe versorgen zu können. Im Februar 1946 folgte die Einführung einer Schulspeisung, die jedoch immer wieder wegen Nahrungsmittelmangel unterbrochen werden musste. Der sowjetische Stadtkommandant Iwan Fjodorowitsch Lobodenko verfügte schließlich für jeden Schüler „…ein Semmelfrühstück (ein trockenes Brötchen pro Tag), damit jedes Schulkind an jedem Tag etwas zu essen erhält“. Wie sollte man ansonsten auch den neuen Zeitgeist und das angestrebte Schulsystem überzeugend vermitteln?

Ab Ende November 1946 kam es in den Schulen zu einer längeren Winterpause mit Unterrichtsausfällen wegen mangelnder Beheizung. In die Geschichte ging diese Zeit von November 1946 - März 1947 als sogenannter „Hungerwinter“ ein, der viele Todesopfer forderte, auch in Radeberg. Die Bevölkerung durchlebte neben dem Hunger eine extreme Kältewelle mit Temperaturrekorden bis 20 Grad im Minusbereich. Der Mangel an jeglichem Heizmaterial, der Zusammenbruch der Energieversorgung mit Stromsperren, die Schließung der Braunkohle-Gruben wegen Kälte und Frost in den Kohlerevieren bei Bautzen, die bisher Anlaufpunkt für die Organisatoren der Stadtverwaltung Radeberg waren, führten zu katastrophalen Zuständen. Besonders schlimm betroffen waren die Umsiedler mit ihren Kindern, die in ihren Notunterkünften und Baracken „der Gefahr des Erfrierens und der Krankheit“ ausgesetzt waren.

Anfang Januar, am 8.1.1947, wird in einer Rechenschaftslegung durch das Schulamt Radeberg, in einer Stadtratssitzung, Bilanz der Schulentwicklung gezogen. Erstmalig werden in diesem Protokoll die neuen Namen der offensichtlich 1946 umbenannten Schuleinrichtungen genannt: Das bisherige Realgymnasium, ab 1938 Oberschule, war jetzt die „Humboldtschule“, die ehemalige Mädchenschule die „Richard-Seyfert-Schule“ (später erfolgte eine nochmalige Umbenennung in „Erich-Weinert-Schule“), die Knabenschule war zur „Pestalozzischule“ und die Lotzdorfer Schule zur „Ludwig-Richter-Schule“ gewandelt worden. Diese Namen standen offensichtlich für ein Programm, verkörperten sie mit ihrer Auswahl doch die Ehrung von Männern, die einen hohen Bekanntheitsgrad hatten und für ihre humanitäre Haltung im Volksgedächtnis verankert waren. Da Radeberg zu dieser Zeit noch unter sowjetischer Kommandantur stand, die über die Befehlsgewalt verfügte und mit der jegliche maßgeblichen Veränderungen abzustimmen waren, ist es umso bemerkenswerter, dass unsere Schulen nicht nach sowjetischen Vorbildern umbenannt wurden, wie es sonst oft üblich war. In einer Ratssitzung wurde 1948 nochmals die Anfrage gestellt, ob es auch weiterhin bei der bisherigen Namensgebung der Schulen bleibe - es blieb dabei. Der Name der ehemaligen Lotzdorfer Schule als „Ludwig-Richter-Schule“ blieb bis heute bestehen. Manch Spötter begründete die Unantastbarkeit des Namens unter den ehemaligen sozialistischen Verhältnissen damit, dass die Schule, fernab von Radeberg im Tal der Röder gelegen, mehr oder minder vergessen wurde, als in den 1950-er Jahren die neue Welle der Namensgebungen mit verdienten Kommunisten begann. Obwohl die Lotzdorfer Schule in früheren Zeiten eine Dorfschule war, zeichnete sie sich von jeher durch fortschrittliches Gedankengut aus. Schon um 1900 war ein Teil des Lehrkörpers, ebenso wie die zahlreiche werktätige Bevölkerung Lotzdorfs, sozialdemokratisch eingestellt.

Es verwundert deshalb nicht, dass die Lehrkräfte der Lotzdorfer Schule bereits in der Weimarer Zeit fortschrittliches Gedankengut vermittelten und das Fach „Lebenskunde“ einführten. Die Schule war die erste und einzige, in der bereits ab 1919 die Jugendweihe durchgeführt wurde. Es gab auch keine, wie sonst übliche, Klassentrennung nach Geschlechtern. Was diese Schule gegenüber den städtischen Einrichtungen ebenfalls immer ausgezeichnet hat, war die enge Verknüpfung mit der Dorfgemeinschaft. Alle Höhepunkte, Jubiläen und Feste wurden ganz selbstverständlich gemeinsam begangen. So begaben sich auch im Jahr 2003, anlässlich des 200-jährigen Geburtstages von Ludwig Richter, Mitglieder einer Arbeitsgruppe von Lehrern, Schülern und Eltern auf Spurensuche, um das Geheimnis einer Verbindung des Namensgebers ihrer Schule mit Radeberg oder Lotzdorf zu ergründen. Vergeblich. Damals geäußerte Vermutungen, Ludwig Richter hätte bei der Gestaltung des Seifersdorfer Tales mitgewirkt und wäre aus diesem Grund geehrt worden, entbehren sachlicher Grundlagen. Er wurde 1803 geboren, wogegen das Tal unter der Schirmherrschaft der Gräfin Christina von Brühl (1756-1816) bereits in den Jahren zwischen 1781 bis 1791 gestaltet und fertiggestellt worden war. Bereits 1792 wurden Abbildungen aller im Tal befindlichen Kunstobjekte als Kupferstiche veröffentlicht. Auch auf die spätere Künstlerfreundschaft Ludwig Richters mit Wilhelm von Kügelgen (1802-1867) wird die Namensgebung kaum zurückzuführen sein. Sicherlich auch nicht auf die Verbindung zu dem Radeberger Maler und Zeichner Hermann Rasche (1866-1919), der einer der letzten Schüler von Ludwig Richter an der Kunstakademie Dresden gewesen ist. Vielleicht ist die Namensgebung wirklich nur darauf zurückzuführen, dass es um 1945 Erinnerungen daran gab, dass er seine Wurzeln hier in unserer Gegend hatte und sich öfters zum Zeichnen in unserer Region aufgehalten hat. Als Professor der Kunstakademie Dresden war Ludwig Richter in den Sommermonaten stets mit seinen Schülern zu Naturstudien unterwegs, die dann im Winter im Atelier künstlerisch umgesetzt wurden.

Das alte Wachauer Kirchengebäude ist 1823 abgerissen und neu errichtet worden (Einweihung 7. Dezember 1824), der Turm wurde 1830 umfangreich ausgebessert. Richters wesentlich später geschaffener Holzschnitt zeigt deutlichen Bezug zur Wachauer Kirche.
Das alte Wachauer Kirchengebäude ist 1823 abgerissen und neu errichtet worden (Einweihung 7. Dezember 1824), der Turm wurde 1830 umfangreich ausgebessert. Richters wesentlich später geschaffener Holzschnitt zeigt deutlichen Bezug zur Wachauer Kirche.

Wenn in seinen Arbeiten auch nicht die Namen Radeberg, Lotzdorf oder Wachau unmittelbar erwähnt werden, findet man dennoch in seinen Zeichnungen Motive unserer Gegend, z.B. zeigt das Bild „Taufgang“ eindeutig den Eingang zum Kirchhof Wachau mit der alten Kirche, die auch der Maler Johann Adolph Darnstedt (1769-1844) in seinem Bild: „Die alte Kirche und Linde in Wachau bei Radeberg“ genau so festgehalten hatte. Viele Arbeiten Ludwig Richters mit den Katalognamen Augustus-(Keulen)-Berg, Seifersdorfer Tal, Hermsdorf, Stolpen, weisen eindeutig darauf hin, dass er sich hier in unserer Gegend oft aufgehalten und gezeichnet hat.

Ludwig Richter - das großflächige Porträt am Schul-Neubau
Ludwig Richter - das großflächige Porträt am Schul-Neubau

Auch wenn die Beweggründe für die Namensgebung der Ludwig Richter Schule vor 70 Jahren bisher immer noch nicht eindeutig geklärt werden konnten, war es damals eine gute Wahl. Schon das äußere Bild der heutigen Ludwig-Richter-Oberschule Radeberg dokumentiert den Stolz, der sich auch heute noch mit diesem Namen verbindet. Er selbst, als Sohn einfacher Leute, bekannte einst: „Die Kunst ist für das Volk - was nützt sie sonst.“ Weithin sichtbar leuchtet die Fassade der Oberschule mit einem großformatigen Porträt Ludwig Richters.

 

Auch er, der Maler und Zeichner Ludwig Richter, wäre mit Sicherheit stolz auf diese Entwicklung der Oberschule mit seinem Namen, gehört sie doch in der Zwischenzeit mit zu den führendsten und modernsten Bildungseinrichtungen unserer Region.

 

 Quellen:

  • Paul Mohn: Ludwig Richter, Verlag Velhagen & Klasing 1906
  • Stadtarchiv Radeberg: Magistrats- und Ratssitzungen 1945-1949
  • K. Lämmer: Zum 165. Geburtstag von Ludwig Richter, Radeberger Kulturleben, 9/1968
  • Wikipedia: Struktur des Schulsystems der DDR
  • Mareike Hulsinga: Ludwig Richter und Radeberg, SZ 15.Febr.2003
  • Ludwig Richter: Lebenserinnerungen eines deutschen Malers, Leipzig, M. Hesses Verlag 1909
  • Christine Schatz: Tina von Brühl, Institut Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V. 2007
  • teamwork-schoenfuss: aktuelles Foto Schulgebäude 2016

 

Januar 2017