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Ernst Flemming (1866-1931), Direktor Höhere Fachschule für Textil- und Bekleidungsindustrie Berlin, Textil- und Bekleidungswissenschaftler, Designer, Autor, Hochschullehrer

 

Ein Leben im Dienst Textiler Kunstfertigkeiten und Industriekultur

 

Wie der am 13. August 1866 in Radeberg geborene Ernst Flemming (eigentlich: Ernst Richard Flemming) zu Textiltechnik, Design und Kunst in der Textilindustrie fand und dadurch als Sachse nicht nur hochgeehrt in preußischen Diensten zum Professor und Direktor der „Höheren Fachschule für Textil- und Bekleidungsindustrie“ in Berlin aufstieg, sondern ebenfalls auch zu einem bis heute weltweit anerkannten Buchautor auf diesem Fachgebiet, ist bisher unbekannt. In seinen fachwissenschaftlichen Büchern hielt er Geschichte und Handwerk textiler Fertigkeiten fest, erforschte umfangreiche textile und materialtechnische Besonderheiten von der Antike bis in die Gegenwart und begeistert auch in der Gegenwart für dieses spannungsvolle Kulturgut. Sein besonderes Verdienst wird auch in der erst durch ihn eingeführten Systematik gesehen, Webetechnik als Grundlage für zeitliche und lokale Gruppierungen zu ordnen, wobei er auf Schau-Sammlungen von 23.000 unterschiedlichster Gewebearten aus mehreren Jahrtausenden verweisen konnte. Er vermittelt Kenntnisse, die heute nach dem allgemeinen Niedergang der Textilindustrie bereits als ein bedeutendes technisches und kulturhistorisches Erbe angesehen und wieder hochgeschätzt werden, nachdem unsere „moderne Welt“ Bekleidung zum Wegwerfartikel degradierte. Die Textilproduktion zählte zu Flemmings Zeiten mit zu den bedeutendsten Industriezweigen Deutschlands. Neben Sachsen mit Chemnitz, Plauen, Crimmitschau und den zahlreichen Standorten der Oberlausitz bildete Berlin ein wichtiges Zentrum der Textilherstellung und -verarbeitung und entwickele sich zu einer führenden Stadt der Mode.

 

Ernst Flemming: Städtische Webschule Berlin 1895. Zeichnung von George Lulvès. Aus "Illustrierte Chronik der Zeit" Berlin 1895,  S. 537
Städtische Webschule Berlin 1895. Zeichnung von George Lulvès. Aus "Illustrierte Chronik der Zeit" Berlin 1895, S. 537

Als die Bedeutung der Textilindustrie, wegen Verlagerung in Billiglohn-Länder, dramatisch zurückging, führte das zum Niedergang dieses Industriezweiges und der unwiderruflichen Zerstörung des Kulturgutes mit seiner textilen Technik. Die Einzigartigkeit dieser Textil-Techniken, das Wissen um Herstellungs-, Verarbeitungs- und Veredlungstechniken mit den dazugehörigen Wunderwerken von Maschinen, die von einem unglaublichen Schöpfertum menschlichen Geistes zeugen, sind heute nur noch vereinzelt in Museen zu erleben und zu bewundern.

Ebenso ist fast vergessen, dass in der Webereitechnik, besonders der Seidenweberei, bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Steuerung der Kettfäden bereits mit Hilfe von Lochkarten erfolgen konnte (Jacquardwebstühle), das war ein Vorläufer der digitalen Maschinen-Steuerung.

Die „Maschinenstürmerei“ des 20./21. Jahrhunderts war gründlich – umso mehr füllen heute Ernst Flemmings Bücher mit ihren Musterzeichnungen, Stoffmustersammlungen, technischen Beschreibungen und Definitionen textiler Gewebe die Bibliotheken und Museen fast aller Sprachräume der Welt und werden auch antiquarisch hoch gehandelt. In Radeberg wurde mit ihm ein Talent geboren, dessen Fleiß und Begabung im richtigen Moment seiner Zeitepoche „Zwischen Memory und Future“ wirksam werden und sich frei entfalten konnte. Einer Zeit zwischen Jugendstil und Moderne mit Bauhausbewegung und Neuer Sachlichkeit, die auch die Designer der Textil- und Modebranche Anfang des 20. Jahrhunderts erfasste und grundlegend prägen sollte. 

Lebensstationen und Wirken

Ernst Flemming: Geburtseintrag Kirchenbuch Radeberg 1866, S. 211
Ernst Flemming: Geburtseintrag Kirchenbuch Radeberg 1866, S. 211

Der Werdegang von Ernst Richard Flemming, der mit seiner zeichnerischen Begabung zum Maler und Musterzeichner wurde und als Künstler zum Lehrer, Direktor und Professor der größten Textilschule ihrer Art in ganz Europa aufstieg, erscheint außergewöhnlich, stammte er doch aus einer Familienlinie mit militärischer Tradition in der Königlich Sächsischen Armee. Sein Vater, Johann Adolf Flemming, der aus militärisch traditionell geprägten Kreisen stammte, hatte mit Sicherheit andere Pläne für seinen zweitgeborenen Sohn (viertes Kind aus der Ehe mit Auguste Wilhelmine geb. Angermann aus Radeberg, die ebenfalls aus einer Artilleristen-Familie stammte) vorbestimmt, da er selbst aktiv in Militärdiensten der Königl. Sächs. Reitenden Artillerie stand und zu den beiden „unbespannten Batterien der reitenden Brigade“ gehörte, die mit ihrem Stab in Radeberg garnisoniert waren. 

Er strebte, nach seiner Dienstzeit in der Radeberger Garnison und Versetzung nach Dresden, eine steile Karriere im Militärdienst an. Bereits 1870 befördert zum Königl. Sächs. Zeug-Premier-Lieutenant, gelang ihm mit seinen Erfolgen im Artillerie-Laboratorium nach kurzer Zeit der Aufstieg zum Königl. Sächs. Zeug-Hauptmann.

Nach dieser hohen Beförderung lebte die Familie im Wohngebiet I der Garnisonsstadt „Dresdner Albertstadt“. Hier besuchte Ernst Flemming die Volksschule, wechselte auf das traditionsreiche Gymnasium der Dreikönigschule und folgte anschließend konsequent seinen künstlerischen Neigungen.

Ernst Flemming: Königlich Sächsische Kunstgewerbeschule Dresden, um 1915.
Königlich Sächsische Kunstgewerbeschule Dresden, um 1915.

Er studierte drei Jahre an der „Königlich Sächsischen Kunstgewerbeschule“ Dresden, die aus der „Königlichen Schule für Modellieren, Ornament und Musterzeichnen“ hervorgegangen war. Mit der zielgerichteten Ausbildung an der Kunstgewerbeschule, in Form von Unterweisungen in Kunst, Handwerk und Gewerbe, wurde in Sachsen den neuen Anforderungen der Industrialisierung entsprochen.

 

Nach dieser fundierten Ausbildung absolvierte er als Einjährig-Freiwilliger seine Militärpflicht im Königlich Sächsischen Schützen-Regiment Prinz Georg Nr. 108, ging anschließend einer kurzen praktischen Arbeit in der Industrie nach und folgte danach, im Jahr 1890, einer Berufung als Lehrer, Maler und Musterzeichner an die „Städtische Höhere Webeschule“ nach Berlin

Ein Sachse in Berlin - das Lebensgefühl der Avantgarde

In Berlin erlebte Ernst Flemming ein neues Lebensgefühl. Er kam in Kontakt mit einer ihm bisher unbekannten, avantgardistischen Kunstszene. Der auf dem Gebiet der textilen Künste, mit ihren Stilrichtungen und verschiedenen technischen Möglichkeiten ein Leben lang forschende, arbeitende und seine Erkenntnisse publizierende Flemming wurde hier, in dieser pulsierenden Weltstadt, unmittelbarer Zeitzeuge einer rasanten technischen Entwicklung der Industrialisierung, die gleichzeitig mit einer ganzheitlichen, alle Lebensbereiche erfassenden Reformbewegung einherging. Textilien bekamen eine neue Wertigkeit, zum einen als textile Architektur für Raumausstattungen, zum anderen in der Mode- und Bekleidungsindustrie, in der ein wachsender Bedarf an geschmackvoller Massenfertigung die bisher übliche individuelle Maßanfertigung verdrängte. Die 1903 als Wettbewerb ausgeschriebene „Ausstellung der neuen Frauentracht“ im Hohenzollern Kunstgewerbehaus Berlin war revolutionär - eine neu kreierte, moderne Bekleidungsmode stand plötzlich gegen Korsett und Zwangsjacke. 

Ein regelrechter Wettlauf auf der Suche nach außergewöhnlichen Ausdrucksformen in der Textil- und Modebranche und eine explodierende industrielle Entwicklung setzten ein, die wiederum zu Gründungen von Fachschulen mit der Heranbildung dringend benötigter Fachkräfte führte. Da viele Lehrende Maler, Grafiker oder Textilkünstler waren, wurden in den Schulen zunehmend innovative Stilrichtungen experimentell in Form und Farbe, Material und Dessin umgesetzt und abstrakte künstlerische Muster auf hohem Niveau entworfen.

Ab der „Goldenen Zwanziger“ wurde alles Bisherige in Frage gestellt, alles erlaubt, Neues gesucht. Es gab noch keine Trennung zwischen freier, textiler und angewandter Kunst. Werke aus textilen Materialien wurden ebenso als Kunstwerke angesehen wie die der Malerei, der Goldschmiedekunst und Bildhauerei und diesen an Wertigkeit auch durchaus gleichgestellt. Viele bedeutende Künstler betätigten sich auch nebenberuflich als Musterzeichner für die Textilindustrie, so auch Käthe Kollwitz (1867-1945), die als Lehrerin und Malerin an die „Zeichen- und Malschule Berlin“ verpflichtet war.

 

Flemming schreibt Design-Geschichte an der Berliner „Textil-Universität“

Ernst Flemming: Neubau der "Höheren Fachschule für Textil- und Bekleidungsindustrie" am Warschauer Platz
Ernst Flemming: Neubau der "Höheren Fachschule für Textil- und Bekleidungsindustrie" am Warschauer Platz

Die „Höhere Webeschule Berlin“ sollte bald nicht mehr den hohen Anforderungen an den Textil-Industriezweig genügen und wurde 1912 zur „Höheren Fachschule für Textil- und Bekleidungsindustrie“ erweitert und umbenannt. Im Jahr 1914 erhielt die Ausbildungsstätte ein neues Domizil, in einem für die Belange der textilen Ausbildung erbauten Gebäudeareal, einem Neubaukomplex am Warschauer Platz. Der filigrane Jugendstilbau, der mit seiner roten Klinkeroptik-Fassade Gewebe assoziiert, wurde harmonisch und funktional gestaltet. Die Einweihung konnte wegen des Ersten Weltkrieges erst im Oktober 1919 erfolgen. Dieser Neubau wurde zur weiteren Wirkungsstätte von Ernst Flemming als Dozent, der dieser „Universität für das Textilgewerbe und Bekleidungswesen“ ab 1. Juli 1918 als Direktor vorstand und im Dezember 1918 zum Professor ernannt wurde.

Ernst Flemming: Neubau der "Höheren Fachschule für Textil- und Bekleidungsindustrie", erbaut 1914
Neubau der "Höheren Fachschule für Textil- und Bekleidungsindustrie", erbaut 1914. Abb.-Nachweis (3)

Unter seiner Leitung erfuhr die Höhere Fachschule in der Zeit der Weimarer Republik (1918-1933) einen enormen Aufschwung und entwickelte sich zur größten Einrichtung ihrer Art in Europa. Es wurden bis zu 1.000 Studierende gleichzeitig ausgebildet. Mit den verstärkt einsetzenden Emanzipationsbestrebungen ab 1918 strömten in die einst von Männern dominierten Berufszweige zunehmend junge Frauen an die Textilschule, um die Kunst der modernen Modegestaltung mit ihren Techniken zu erlernen. Diese Bestrebungen zur Förderung höherer Bildung und Erwerbsfähigkeit des weiblichen Geschlechts wurden in Berlin durchaus gefördert, und der Unterricht fand als Tages-, Abend-, und Sonntagsschule statt.

Die Ausbildung erfolgte ab den 1920er Jahren unter dem Aspekt der veränderten Ansprüche einer Industriegesellschaft mit Massenfertigung.

Ernst Flemming: Fachrichtungen Höhere Fachschule für Textil- und Bekleidungs-Industrie Berlin, um 1920
Fachrichtungen Höhere Fachschule für Textil- und Bekleidungs-Industrie Berlin, um 1920

Die Studierenden erhielten eine fundierte Ausbildung in Theorie und Praxis, einer bereits seit 1877 in Preußen durchaus üblichen Ausbildungsform, die auf keiner Erfindung der späteren Bauhausbewegung beruhte. In modern eingerichteten Werkstätten und Zeichensälen wurden die Grundlagen für den Berufseinsatz vermittelt, Entwerfer und Musterzeichner ausgebildet, Fachkräfte in der Maschinenweberei, Handweberei, Strickerei, Wirkerei, Maschinenstrickerei, Handstickerei, Gobelinweberei, Posamenterie und Färberei. Die Färber wurden bereits als Chemotechniker geschult und verfügten über eigene Laboratorien.

Prof. Ernst Flemming vertrat an seiner Fachschule in der Stilentwicklung den neuen Zeitgeist mit der Einheit von Stoffmaterial, avantgardistischem Muster und Farbkomposition. Er sympathisierte mit der Künstlergruppe „Brücke“ die ab 1908 von Dresden nach Berlin übergesiedelt war.

An die Schule wurden durch ihn als Direktor zahlreiche bekannte Künstler als Lehrkräfte oder Professoren berufen, u.a. ab 1919 auch Walter Kampmann (1887-1945), der als Maler des Expressionismus der Berliner Avantgarde zugehörig war und der Künstlervereinigung „Novembergruppe“ angehörte. Ihm wurde die Leitung der Entwurfsklasse übertragen, und er vermittelte moderne zeitgenössische Einflüsse avantgardistischer Strömungen des Kubismus, Futurismus und Art Deco, die er in das Flächen- und Textildessin einfließen ließ. Handwerk und Kunst wurden unter Ernst Flemming stets als Einheit verstanden und gefördert, der sich in Theorie und Formgebung stets der Moderne verpflichtet fühlte.

 

Reformbewegung - „Verein für deutsches Kunstgewerbe“

zu Berlin

Als Ernst Flemming 1890 als Maler und Musterzeichner an die Höhere Webeschule nach Berlin kam, existierte bereits der am 5. Nov. 1877 gegründete „Verein für deutsches Kunstgewerbe e.V.“ Als Förderverein verband er die aufstrebende Textilindustrie, Kunstindustrie und das Kunsthandwerk, unterstützte die Ausbildung an den Schulen und verstand sich als maßgeblicher Förderer der Kultur. Um 1904 zählte der Verein bereits 1.257 Mitglieder. Vereinsmitglieder waren außer hohen Staatsbeamten und Stadtverordneten auch zahlreiche Textil-Fabrikanten und Konfektionäre, Professoren, Lehrer, Künstler, Kunsthandwerker und Besitzer von Werkstätten. Sie nahmen auf die Richtung der kunstgewerblichen Entwicklung Einfluss, achteten auf die Pflege des Kunstgewerbes gegen Dilettantismus und förderten Ausstellungen und Wettbewerbe. 

Ernst Flemming gehörte dieser progressiven Vereinigung bald als Vorstandsmitglied und Schriftführer an. Ebenso engagierte er sich im sozialen Umfeld für die Interessen seiner Künstlerkollegen. Im Gesamtverband Deutscher Kunstgewerbevereine war er aktiv tätig und viele Jahre in Weimar im Aufsichtsrat der „Renten- und Pensionsanstalt für Deutsche bildende Künstler“ vertreten.

Ernst Flemming, der Verfechter der Moderne, war als Sachverständiger und Berater wegen seiner umfangreichen Kenntnisse hochgeschätzt. Ihn verbanden enge Beziehungen mit dem Warenhaus und Versandhandel Rudolph Hertzog in Berlin, aber auch zu dem Textilkaufmann und Vorsitzenden des Deutschen Einzelhandels, Heinrich Grünfeld (1865-1936), Eugen Protzen (1842-1920) (Teppichfabrik M. Protzen & Sohn) und besonders zu James Simon (1851-1932), Unternehmer, Leiter der „Deutschen Orient-Gesellschaft“, Forscher und Finanzier der Grabungen in Ägypten sowie bedeutender  Mäzen der Staatlichen Museen zu Berlin. Auch zahlreiche Berliner Museen, wie das Kaiser-Friedrich-Museum (heute Bode-Museum), das Schlossmuseum und die Staatliche Sammlung für Deutsche Volkskunde, waren eng mit Flemming verbunden, ebenso wie die Akademie der Künste Berlin, deren Präsident ab 1919 Max Liebermann war.

Ernst Flemming, Zitat aus: Die historischen Wurzeln der HTW Berlin.  Hrsg.:  Berliner Wissenschafts-Verlag GmbH, Berlin 2014. Seite 11
Zitat von Ernst Flemming. Aus: Die historischen Wurzeln der HTW Berlin. Hrsg.: Berliner Wissenschafts-Verlag GmbH, Berlin 2014. Seite 11

Ehrungen/Auszeichnungen

Der Großherzog von Sachsen-Weimar zeichnete Flemming 1918 durch die Verleihung des „Hausordens der Wachsamkeit oder vom Weißen Falken“ aus. Für seine Verdienste im Krieg bei der Beratungsstelle für Schwerkriegsbeschädigte erhielt er das „Preußische Kriegsverdienstkreuz“ verliehen.

 

Epilog auf ein Leben - im Dienst der Textilkunst
und der Arbeiterbildung

Das arbeitsreiche Leben des Oberstudiendirektors Professor Ernst Flemming, Direktor der „Höheren Fachschule für Textil- und Bekleidungsindustrie Berlin“, endete am 8. April 1931 im 65. Lebensjahr in Berlin, kurz vor seiner Versetzung in den Ruhestand. Er hatte sein gesamtes Leben in den Dienst der textilen Kunstfertigkeiten und in die Ausbildung der ihm nachfolgenden Generationen gestellt. Viele Textilkünstler/-innen sind durch ihn und seine Mitarbeiter in ihrer künstlerischen Entwicklung maßgeblich geprägt worden.

Die von ihm herausgegebenen fachwissenschaftlichen Bücher, ebenso wie die erst im Jahr 2005 durch Zufall durch die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin, als Nachfolgeeinrichtung der einstigen Webeschule und „Höhere Fachschule für Textil- und Bekleidungsindustrie“ wiederentdeckten Stoffmusterbücher, geben anschaulichen Einblick auf das hohe Niveau der damaligen Ausbildung. Die HTW Berlin hat diese wertvollen Zeitdokumente der Digitalisierung und Erschließung für ihr Historisches Archiv „Textil und Mode“ zugeführt und dieses Kulturgut mit Open Access als "Stoffmusterbücher" online bereitgestellt. Die Studierenden der heutigen Generation sind fasziniert von den unglaublich modernen Dessins jener Zeit, die nicht nur zum Nachweben dieser historischen Stoffe anregen, sondern auch zum Erforschen historischer Webetechniken und zur Inspiration neuer Stoffmusterentwürfe.

Ein größeres Lob, eine größere Anerkennung kann es für einen einstmals Forschenden und Lehrenden, wie den in Radeberg geborenen Ernst Flemming, auch fast 90 Jahre nach seinem Tod nicht geben…

 

©Renate Schönfuß-Krause

12. Mai 2020

 

 

Werke (Auswahl):

  • 1000 Textilworte; Verlag Hein & Co. 1926
  • Das Textilwerk: Gewebeornamente und Stoffmuster vom Altertum bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts. Berlin: Wasmuth, 1927. Print.
  • Flemming, E., & Jaques, R. (1957): Das Textilwerk: Gewebe von der Spätantike bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts einschliesslich Ostasiens und Perus. Tübingen: Ernst Wasmuth.
  • Flemming, E.: Textile Künste: Weberei, Stickerei, Spitze, Geschichte, Technik, Stilentwicklung. Berlin, Verlag für Kunstwissenschaft. 1923, 1927, 1950
  • Jaques, R., & Flemming, E. (1958). Encyclopedia of textiles. New York: Praeger.
  • Das Textilwerk; E. Wasmuth 1957

Quellen:

 Die textstellenbezogene vollständige Referenzierung ist in der PDF-Version

(s. Seiten-Anfang) enthalten.

  • Radeberger Zeitung, Unterhaltungs-Beilage: Ein Sohn unserer Stadt, 2. Mai 1931, Nr. 28, S. 390
  • Ernst Flemming, Renate Jaques: Das Textilwerk, Verlag Wasmuth Tübingen, 1957
  • Insbesondere in Görlitz, Zittau, Bautzen, Kamenz, Großröhrsdorf
  • Library of Congress: Flemming, Ernst *1866, Intex: Deutsche Nationalbibliothek / Sudoc Frankreich/ RERO Westschweizer Bibliotheksverbund/ Biblioteca Apostolica Vaticana/ Biblioteka Narodowa Polen/ Library of Congress NACO/ ISNI/ National Library of Israel/ BYB-SIS Norwegen/ National Library of Israel/ Koninklijke Biblioteek Niederlande.
  • Prof. Dr. Dorothee Haffner: Textile Memory-Textile Future, HTW Berlin, Wissenschafts-Verlag 2016
  • Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens, Regionalkirchenamt Dresden: Kirchenbücher Radeberg 1858 Seite 452, lfd. Nr. 39 (Taufe Adolph Max Flemming, geb. 4.4.1858) und 1866 Seite 211, lfd. Nr. 117 (Taufe Ernst Richard Flemming, geb. 13.8.1866)
  • Maik Thiem: Das sächsische Militärwesen im 19. Jahrhundert. Militärverfassung und -verwaltung und ihre Veränderung im Zusammenhang mit dem deutschen Einigungsprozess. Abschn. 4.4. Diplomarbeit 1995. Humboldt-Universität Berlin, FB Geschichte. Online-Ressource
  • SLUB Dresden, Historische Adressbücher Dresden 1860-1895
  • Wikipedia: Kunstgewerbeschule Dresden
  • Die „Städtische Webeschule“ war als Berliner Institution eine städtische Anstalt mit Anteilen des preußischen Staates. Ihre Ursprünge gingen auf das 1822 gegründete „Berliner Gewerbeinstitut“ zurück, ab 1834 „Dessinateur-Schule für Musterzeichner und -entwerfer“, 1856 „Musterzeichnerschule“, 1874 „Fachschule für Dekomponieren, Komponieren und Musterzeichnen“, ab 1886 „Städtische Webeschule“ und „Städtische Höhere Webeschule“, 1912 „Höhere Fachschule für Textil- und Bekleidungsindustrie“, 1932 „Textil- und Modeschule der Stadt Berlin“- seit 2008 „Hochschule für Technik und Wirtschaft“ (HTW), Quelle: K. Hornscheidt, „Stoffe ans Licht“, S.22, netzwerk mode textil e.V.
  • Kunstgewerbeblatt 1903: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Verl. E. Seemann, Leipzig
  • Kunsthandbuch für Deutschland 1904, S. 411
  • Die historischen Wurzeln der HTW Berlin. Hrsg. HTW Berlin. BWV Berliner Wissenschafts-Verlag 2014. S. 10
  • Netzwerk mode textil: Intelligente Verbindungen, Band 2, 2015
  • Bärbel Ambrus: Alice Klank, Musterschülerin an der Musterschule, 2016
  • Bereits 1866 wurde unter dem Protektorat Ihr. Majestät der Kaiserin und Königin der Lette-Verein in Berlin gegründet, der Frauen den kostenfreien Besuch von Handels- und Gewerbeschulen ermöglichte unter Gewährung freien Unterrichts; Kunsthandbuch für Deutsch-land 1904, S.410
  • Kunsthandbuch für Deutschland 1904: Städtische Höhere Webeschule Berlin, S.408
  • Wikipedia: Walter Kampmann
  • 1918 gegründete radikal-revolutionäre Künstlergruppe, (s. Wikipedia)
  • Königliche Museen zu Berlin, Kunsthandbuch für Deutschland, S. 651, Sechste Aufl., Generalverwaltung Berlin 1904, Verlag Georg Reimer
  • Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Ernst Flemmings Beiträge unter Fl. Gekennzeichnet, Verl. E. Seemann, Leipzig
  • Gegründet 1893 durch Abgeordnete deutscher Kunstverbände in Eisenach auf dem Grundsatz der Gegenseitigkeit und Selbsthilfe zur materiellen Absicherung deutscher Künstler; Kunsthandbuch S.610
  • Wikipedia: Rudolph Hertzog
  • Wikipedia: Heinrich Grünfeld
  • Wikipedia: Eugen Protzen
  • Wikipedia: James Simon, Gründer der „Deutschen Orientgesellschaft (DOG) und Stifter zahlreicher wissenschaftlicher Ausgrabungen in Ägypten und Vorderasien für das Kaiser-Friedrich-Museum (heute Bode-Museum)
  • Grit Thönnissen: Ein spektakulärer Kellerfund Stoffmustererkennung, HTW Berlin

Bildnachweise:

  1. Dorothee Haffner, Katharina Hornscheidt (Hrsg): Intelligente Verbindungen. Stoffmuster im Focus - Renaissance und Rezeption, Tagung inBerlin 11. Oktober 2013. netzwerk mode textil e.V. Berlin 2015. Lizenz cc-by-sa-4.0. Mit bestem Dank für die freundliche schriftliche Veröffentlichungs-Genehmigung vom 13. Mai 2020.
  2. Ernst Flemming: Das Textilwerk. Neu bearbeitet und mit einleitendem Text versehen von Renate Jaques. Verlag Ernst Wasmuth Tübingen 1957.
  3. Die „Höhere Fachschule für Textil- und Bekleidungsindustrie“, Neubau 1914.
    Quelle: Fridolin freudenfett / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)

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