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Charlotte Meentzen, Unternehmerin, Wegbereiterin moderner Naturkosmetik, Heilpraktikerin, Kosmetikherstellerin, Pädagogin
Charlotte Meentzen, Unternehmerin, Wegbereiterin moderner Naturkosmetik, Heilpraktikerin, Kosmetikherstellerin, Pädagogin
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Charlotte Meentzen, Unternehmerin, Naturkosmetik-Herstellerin, Heilpraktikerin,  Pädagogin

 

Berta Emilie Charlotte Meentzen (* 15. Juni 1904 in Leipzig; † 26. Februar 1940 in Dresden) war eine deutsche Unternehmerin auf dem Gebiet der Kosmetika-Entwicklung, -Herstellung und des -Vertriebes sowie Wegbereiterin für den modernen Bio- und Naturkosmetikmarkt in Europa. Sie hat ein Schulungssystem für Kosmetikerinnen entwickelt und dafür eine eigene Schule gegründet.

Leben

Charlotte Meentzen war die zweite Tochter des Ehepaares Theodor Meentzen (1874–1963) und Iphigenie geb. Eichhorn (1877–1945). Ihre Kindheit verbrachte sie zeitweise gemeinsam mit ihrer Schwester Gertrude auf dem Bauernhof ihrer Großmutter, die in den Mädchen die Liebe zur Natur weckte und sie mit der Kraft pflanzlicher Wirkstoffe und der Naturheilkunde vertraut machte. Charlotte folgte dem in der Weimarer Republik beginnenden Trend ihrer Zeit nach Naturnähe, Einfachheit und gesunder Lebensweise. Ihrer Ausbildung als Heilpraktikerin in Österreich schloss sich eine Ausbildung zur Kosmetikerin an.[1] Sie wandte sich der Idee der natürlichen Schönheit zu und strebte die Verwirklichung ihrer Vision an, Heilkräuter in den Dienst der Schönheit zu stellen, kosmetische Schönheits- und Pflegeprodukte als Naturprodukte aus Pflanzen herzustellen, die sowohl für eine gehobenere Bevölkerungsschicht als auch für eine breite Masse von Verbrauchern zugänglich sein sollten. Diese Ziele entsprachen der zu Beginn des 20. Jahrhunderts verstärkt einsetzenden Lebensreformbewegungen, die sich mit der Kleiderreform, der Naturheilbewegung, Ernährungsreform, Vegetarismus, Leibesübungen und Sportbewegung, Freikörperkultur bis hin zur Bauhausbewegung immer mehr durchsetzte.

Charlotte Meentzen hatte einen Sohn (* 1939). Sie war unverheiratet und verstarb im Alter von nur 35 Jahren am 26. Februar 1940 in Dresden.

 

Wirken

Charlotte Meentzens Leben war geprägt von einem starken Pioniergeist, sie wurde mit ihrem tiefen Wissen über Zusammenhänge in der Natur, ihrer Leidenschaft und ihrem Forscherdrang richtungsweisend für innovatives Denken. Der Gedanke der Ganzheitlichkeit in der Schönheitspflege ging erstmalig von ihr mit ihren fortschrittlichen Bestrebungen aus, ein Gesamtkonzept zu erarbeiten, das Schönheit und Gesundheit verbindet.

1930 zog Meentzen von Leipzig nach Dresden, das nach der I. Internationalen Hygiene-Ausstellung Dresden 1911 umgangssprachlich als „Stadt der Gesundheit“ bezeichnet wurde und auf der Kosmetik, Kleidung und Körperpflege bereits zu den Ausstellungsschwerpunkten gehört hatten. Auch die zahlreichen Dresdener Naturheilstätten und Kurhäuser, wie z. B. das Lahmann-Sanatorium im Stadtteil Weißer Hirsch, das sich ebenfalls der Ganzheitlichkeit von Naturbehandlungen verschrieben hatte, trugen zu dieser Bezeichnung bei. Auch das 1912, nach der I. Hygiene-Ausstellung, von dem Dresdner Unternehmer Karl August Lingner als „Volksbildungsstätte für Gesundheitspflege“ gegründete Deutsche Hygiene-Museum, das anlässlich der 1930 durchgeführten II. Internationalen Hygiene-Ausstellung als Neubau eröffnet wurde, machte Dresden zum Vorreiter der Aufklärung in Richtung Volksgesundheit. In diese Zielstellung ordnete sich Meentzen mit ihrer Vision und Phlilosophie von Schönheit durch Naturstoffe und Heilkräuter als Ganzheitlichkeit ein.

Charlotte Meentzen kam nach Dresden, um gemeinsam mit ihrer Schwester Gertrude, verh. Seltmann-Meentzen, ( * 14. Juni 1901; † 14. Januar 1985) eine innovative Firma zu gründen. Dresden bot gute Voraussetzungen. Die Idee der beiden Schwestern war durchaus mutig, denn sie wollten mit der Gründung einer eigenen Firma, in der Naturprodukte für die Schönheitspflege selbst hergestellt werden sollten, die Kosmetik-Industrie revolutionieren. Ihr Leitbild unter dem Motto Zurück zur Natur sollte mit einer von ihnen entwickelten, hochwirksamen Kosmetik mit natürlichen Inhaltsstoffen verwirklicht werden.

 

Firmengründung

Am 1. Juni 1930 gründete Charlotte Meentzen mit großzügiger Unterstützung ihrer Familie ihren ersten eigenen Kosmetiksalon als „Institut für natürliche Kosmetik“ auf der Prager Straße 44 in Dresden, in bester Geschäftslage. Im gleichen Jahr gründete sie gemeinsam mit ihrer Schwester Gertrude Seltmann-Meentzen die Produktionsfirma „Charlotte Meentzen, Heilkräuter-Kosmetik“ in Form eines Laboratoriums. Charlotte war für Entwicklung, Labor und Produktion und Gertrude für alle kaufmännischen Dinge zuständig. Neuartig für eine Frau war, dass Charlotte Meentzen ihren eigenen Namen als Marken-Namen und als Label verwendete.

 

Kosmetik-Schule

1931 erweiterte Charlotte Meentzen ihr Unternehmenskonzept und gründete die „Schule für natürliche Kosmetik“, um mit der Ausbildung von Kosmetikerinnen in dieser Privatschule ihre Vision, die Anwendung pflanzlicher Wirkstoffe in der kosmetischen Praxis anzuwenden, umsetzen und verbreiten zu können. Die Privatschule wurde im Dresdener Stadtteil Weißer Hirsch angesiedelt. Sie bestand in dieser Form bis 1964, 1965 wurde sie verstaatlicht und zu einer der ersten Staatlich anerkannten Ausbildungsstätten im Kosmetikbereich in der DDR.

Jede Absolventin musste mehrere Seminare durchlaufen. Mit diesen Intensiv-Schulungen legte Meentzen den Grundstein für den weiteren Erfolg der Marke „Charlotte Meentzen“ und deren Verbreitung. Die Kosmetikerinnen lernten, auf die Heilkraft der Natur zu setzen und die breite Produktpalette der Naturkosmetik anzuwenden. Die neuen innovativen Behandlungsmethoden der Charlotte Meentzen wurden zusammen mit den Produkten von den Absolventinnen erfolgreich verbreitet. Das von Meentzen entwickelte Behandlungskonzept für Gesichtsmassagen begründete das später berühmt gewordene „System Charlotte Meentzen“ als eine bis heute anerkannte Massagetechnik, die aus 28 Handgriffen der Entspannungs- und Nervendruckpunkt-Gesichtsmassage besteht und somit zur Ganzheitlichkeit ihres Konzeptes gehört. Damit wurde Charlotte Meentzen zu einer der ersten deutschen Kosmetikerinnen und Herstellerin von Naturprodukten, die ihre Vision einer individuellen Hautpflege auf der Basis pflanzlicher Wirkstoffe, unter dem Gesichtspunkt der Ganzheitlichkeit der behandelten Persönlichkeit, mit Erfolg verwirklichte, auch gegen den Widerstand alteingesessener Firmen und Ansichten. Mit ihrem Buch „Heilkräuter im Dienst der Schönheit“ gehörte sie zu den ersten Autorinnen, die ihre Kenntnisse, Ratschläge und ihr umfangreiches Wissen über Naturkosmetik und ihre Überzeugung von den Zusammenhängen bzw. der Balance zwischen Natur, Geist, Schönheit und Entspannung für das Wohlbefinden, auch publizierte. Dieses Buch konnte erst 1941, nach ihrem Tod, auf Betreiben von Gertrud Meentzen-Seltmann veröffentlicht werden und gilt bis heute als ein Standardwerk der Naturkosmetik. Zum erfolgreichen Gesamt-Unternehmens-Konzept von Charlotte Meentzen gehörte auch die Delegierung von Absolventinnen ihrer Schule direkt in unternehmensfremde Kosmetik-Salons, Parfümerien und Drogerien. So baute sie „vor Ort“, mittels Muster-Behandlungen nach dem Meentzen-Konzept und Verkaufs-Offerten, ein eigenes Vertriebssystem auf.[2]

 

Ab 1940

Nach dem Tod von Charlotte Meentzen übernahm ihre Schwester Gertrude Seltmann-Meentzen nicht nur die Verantwortung für das Kind ihrer Schwester, sondern auch für das gesamte Unternehmen und rettete damit die Firma. Die Unternehmens-Philosophie von Charlotte führte sie konsequent weiter.

Bei den Luftangriffen auf Dresden im Februar 1945 wurden auch das Institut und das Laboratorium als Produktionsstätte auf der Prager Straße vollständig zerstört. Gertrude Seltmann-Meentzen stand nicht nur vor den Ruinen ihrer Firma, sondern auch ihrer eigenen Lebensleistung und der ihrer Schwester. Die Hälfte der Belegschaft war bei den Bombenangriffen ums Leben gekommen. Gertrude Seltmann-Meentzen, obwohl selbst Kriegswitwe und für die Erziehung der eigenen zwei Söhne und des Sohnes von Charlotte Meentzen verantwortlich, wagte den Neubeginn. Schrittweise errichtete sie die Firma als Produktionsstätte wieder und gründete sie ein zweites Mal in einem Villen-Grundstück auf der Wiener Straße in Dresden.[2] Bereits 1946 begann sie in der Villa auf dem „Weißen Hirsch“ im Untergeschoss mit 60 Mitarbeitern einen Manufakturbetrieb aufzubauen. In der darüberliegenden Etage befanden sich Behandlungsräume. 1948 wurde auch wieder die „Schule für natürliche Kosmetik“ als Privatschule im gleichen Haus in Betrieb genommen.

 

Die Firma in der DDR

Das private Unternehmen mit der Marke „Charlotte Meentzen“, das bereits in der DDR unter dem Namen „Charlotte Meentzen Kräuter - Vital - Kosmetik“ firmierte, bestand bis 1972. In diesem Jahr wurden die wenigen noch privaten Betriebe und die Betriebe mit Staatlicher Beteiligung in Volkseigentum überführt. Diese Zwangsenteignung betraf auch die Familienmitglieder von Charlotte Meentzen und Gertrude Seltmann-Meentzen. Nur ihr Sohn Sigismund und der Sohn von Charlotte Meentzen, Geert-Dietrich, durften in der Firma weiterarbeiten. Das Unternehmen produzierte unter DDR-Verhältnissen erfolgreich weiter. Die bewährte Markenbezeichnung „Charlotte Meentzen“ wurde systematisch in das DDR-Label „Florena-Kräutervital“ gewandelt und der ab 1972 volkseigene Betrieb in „VEB Kräutervital-Kosmetik Dresden“ umbenannt. Dieser wurde dem „VEB Elbe Chemie Dresden“ zugeordnet, der 1980 in das neu gegründete Kosmetik-Kombinat Berlin eingegliedert wurde. Darin erhielt das Dresdner Werk den neuen Namen „Betriebsteil Kräutervital-Kosmetik Dresden, VEB“. Der Name Charlotte Meentzen mit dem zugehörigen Label wurde de facto vom DDR-Markt genommen.

 

Nach 1990

Nach der politischen Wende wurde das Unternehmen 1991 reprivatisiert. Geert-Dietrich Meentzen, Sigismund Seltmann und ein Enkel von Gertrude Seltmann-Meentzen, Alexander Gerybadze, bauten die Firma in Dresden neu auf und führten sofort das bekannte Firmen-Label als Markenzeichen wieder ein. Die Firma „Charlotte Meentzen“ überlebte als eine der wenigen Kosmetikfirmen der ehemaligen DDR die deutsche Wirtschaftsunion. Der Standort Dresden erwies sich jedoch langfristig gemäß der neuen Anforderungen des nationalen und internationalen Wettbewerbes als nicht optimal.

 

Charlotte Meentzen Firmen-Label in Radeberg
Charlotte Meentzen Firmen-Label in Radeberg

Neustart 2002 in Radeberg

Nach Klärung von Standortfragen zog das Unternehmen im Jahr 2002 von Dresden nach Radeberg und setzte hier in einem Firmen-Neubau seine Erfolgsgeschichte fort. Das Unternehmen befindet sich wieder in Familienhand in dritter Generation, und die Marke hat sich erfolgreich durchsetzen können. Außer der Belieferung des deutschen Marktes exportiert die Firma nach England, in die Schweiz, Niederlande, Türkei, Polen, Australien, Asien. Weltweit arbeiten etwa 5000 Kosmetikinstitute mit der Meentzen-Kosmetik.

 

Ehrungen

Das Unternehmen erhielt bei der Preisverleihung am 21. Juni 2018 im Deutschen Historischen Museum in Berlin den Award in der Kategorie „Industry Excellence in Branding/Beauty & Care“ für ihre hervorragende Markenführung und den erfolgreichen Verpackungsrelaunch.

 

 

 

 

Werke

  • Die Schönheitspflege der deutschen Frau. Serie Schulungshefte der N.S.-Frauenschaft, Nr. 7. F.E. Fischer. Leipzig 1934. OCLC 72620007.
  • Andere Ausgabe: Verlag Gäßler, München 1934. OCLC 643913063
  • Heilkräuter im Dienste der Schönheit: Ein Ratgeber für natürliche Schönheitspflege. Verlag für Biologie Duberow, Berlin 1941. OCLC 705387777.
  • Schönheit durch Hautpflege mit Charlotte Meentzen. 12 Blätter Illustrationen. Verlag: Dresden Charlotte Meentzen, Kräuter-Vital-Kosmetik 1961. OCLC 72257678.

 

Literatur

  • Gertoberens, Klaus: Sächsische Persönlichkeiten die Geschichte schrieben. Dresden: Edition Sächsische Zeitung SAXO'Phon GmbH, 2011. ISBN 9783938325841. OCLC 758672283
  • Bekannte Sachsen: Charlotte Meentzen auf Sachsen.de Online-Ressource
  • Eva-Maria Bast; Elena Oliveira; Melanie Kunze: Dresdner Frauen: Historische Lebensbilder aus der Stadt an der Elbe. Bast Medien GmbH Überlingen, 1981

 

©Renate Schönfuß-Krause

Januar 2020

 

Quellen: