Martin Stephan - C. F. W. Walther „Kreuzessucht ward Kreuzesfluch(t)“ von Renate Schönfuß-Krause

Bewertung des Vortrages vom 25.10.2017 im Residenzschloss Altenburg

Von S. Klingner, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Mitteldeutsche Familienforschung / AK Altenburger Land

 

AMF-Arbeitskreis „Altenburger Land“ - Veranstaltung 2017-4

 

Die abschließende, 4. offene Veranstaltung des Vortragsjahres 2017 präsentierten die Familienforscher des AMF-Arbeitskreises "Altenburger Land", am Mittwoch, dem 25. Oktober 2017, 19:00 Uhr, im “Bach-Saal“ des Residenzschlosses zu Altenburg, und 66 Interessenten erlebten einen informativen Vortrag.

In einer gedenkwürdigen Zeit, sechs Tage vor dem 500-jährigen Jubiläum der Reformation, im Lutherjahr 2017, konnten wir mit Frau Renate Schönfuß-Krause aus Radeberg eine Referentin gewinnen, welche mit ihrem Thema „Kreuzessucht  ward  Kreuzesfluch(t)“  zur größten, religiös motivierten, sächsisch-thüringischen Auswanderungsbewegung nach Missouri/USA im Jahre 1838, sprach. Erinnert wurde an geschichtliche Hintergründe, Voraussetzungen, Begleitumstände, Verlauf und Ergebnisse, die dazu führten, dass letztendlich durch diese Auswandererbewegung der Lutherische Glauben nach Nordamerika „exportiert“ wurde und sich erfolgreich ausbreitete. In diesem, aufwändig gestalteten, audiovisuellen Vortrag übernahm Herr Klaus Schönfuß die technische Gestaltung und Umsetzung des Vortrages, des als Team arbeitenden Ehepaares, das auch viele andere Arbeiten auf seiner interessanten Homepage  www.teamwork-schoenfuss.de  bereitstellt.

 

Die Referentin präsentierte hervorragend recherchierte Fakten und historische Dokumente aus Archiven, Zeitungen, Briefwechsel, persönlichen Erinnerungsschriften und Kontakten. Zunächst erläuterte sie die Ursachen für das Entstehen der Bewegung, die politische Lage zu Beginn des 19. Jahrhunderts, die liberale Anpassung der Kirche an den Staat und die daraus entstehende „Erweckungsbewegung“ mit ihrer Rückkehr zu altlutherischen Glaubensbekenntnissen. Die Verdeutlichung der Führungs- und Verführungsrolle des Pfarrers Stephan bis zu seiner Erhöhung als erster Bischof auf einem Segelschiff vor New Orleans, sein Kampf um Einfluß und Macht, seine Absetzung und sein weiteres Schicksal, aber auch der Versuch einer Rehabilitierung, ergänzten den ersten Vortragsteil. Ebenfalls wurde das Risiko solcher Auswanderungsbewegung in einem zeitlichen und inhaltlichen Abriss in detaillierter Deutlichkeit vermittelt. An Hand von Beispielen wurde aufgezeigt, wie einmalig diese Auswanderungsbewegung durchorganisiert war, von der Gründung einer Gesellschaft, Planung der verschiedenen Reiserouten für ganz Sachsen und Thüringen, der Überfahrt mit 5 Segelschiffen, einer Reiseordnung bis hin zur Absicherung aller Teilnehmer, auch der unbemittelten, durch Bildung einer Gemeinschaftskasse und von Geldfonds. Filmische Einspielungen aus den Siedlungsgebieten in Missouri/ USA, um Altenburg/MO und dem heutigen Museum in Frohna/MO, sowie Schicksalsbeispiele einfacher Menschen aus dem Altenburger Land und dem Muldental rundeten den Vortrag ab. Ebenfalls wurde auf die sich gleichzeitig ereignende Tragödie in diesem Gebiet des mittleren Westens hingewiesen, die während der Einwanderung der Sachsen stattfand – die unmenschliche Vertreibung der Ureinwohner aus ihren fruchtbaren Gebieten in Reservate. Parallel dazu wandelt sich die Hoffnung der lutherischen Einwanderer ebenfalls in unsagbares Elend und Enttäuschungen. Unter großen Entbehrungen, Kälte, Krankheiten, Hunger und Todesfällen, den Untergang stets vor Augen, gelang es ihnen mit dem Mut der Verzweifelten, in Perry County/ Missouri/ USA die ersten Besiedlungen mit den Orten Altenburg, Dresden, Frohna, Seelitz, Wittenberg vorzunehmen. Geistiger und geistlicher Führer der Gemeinde wurde, nach der Absetzung Bischof Stephans, der Pastor Carl Ferdinand Wilhelm Walther (1811 Langenchursdorf - 1887 St. Louis/MO), später Professor und Präsident der Missouri-Synode. Er vermittelte der Gemeinde den Mut und den Glauben an eine Zukunft in den USA. Der Aufbau erster Blockhäuser und einer Schule begann, welche gezielt zum College „Concordia“ ausgebaut wurde. Daraus entwickelte sich das berühmte „Concordia Log Cabin College“, das 1849 nach St. Louis verlegt wurde. Diese Hochschule für Lehrer, Pfarrer und Missionare wurde zur Erfolgsgeschichte und zum Ausgangspunkt für die Ausbreitung der „Lutherischen Kirche Missouri“. Deren Aufgabe war die Seelsorge und Bildung der von deutschen Siedlern geprägten Bundesstaaten Missouri, Indiana, Ohio, Illinois und Arkansas und die weitere Missionierung des mittleren Westens der USA. Gleichzeitig entstand ein Netzwerk für neu ankommende Aussiedler, welches in diesen dünnbesiedelten Gebieten zur Entwicklung der Bevölkerung, der Wirtschafts- und Finanzkraft beitrug. Damit wurde die Auswanderung von 665 deutschen Altlutheranern 1838 und die Entwicklung zur heute zweitgrößten lutherischen Kirche „Lutheran Church – Missouri Synod“ in den USA mit 2,3 Millionen Mitgliedern doch noch ein besonderer Erfolg und ein Beispiel für die Ausbreitung des Lutherischen Glaubens und der Förderung der Bildung.

 

Die durch die Recherchen in den USA entstandenen Kontakte, in Vorbereitung des Vortrages in Altenburg/Sa. und Veröffentlichungen in Fachzeitschriften im Jahr 2017, führten in Missouri/USA zur besonderen Beachtung bei den heute noch in St. Louis/MO und in Altenburg/MO lebenden Auswanderer-Nachkommen und der

Direktorin Carla L. Jordan, Owner
CL Jordan Preservation
Director, Lutheran Heritage Center, Altenburg, MO
Director, Cape Girardeau Co. History Center, Jackson, MO.

 

Das Referentenpaar wurde 2018 zu einer Darbietung ihres Vortrages nach Altenburg/MO/Perry County eingeladen. Wir sind an einem Bericht interessiert.  In der Ausgabe 2018, des traditionellen, seit 1644 veröffentlichten „Altenburger Geschichts- und Hauskalender“, mit vielen weiteren geschichtlichen und denkwürdigen Beiträgen, wird der ausführlichere Artikel, zum Vortrag (Teil 1), zu finden sein. Wer ein spezielles Geschenk, zu Weihnachten oder Geburtstag sucht, oder einfach die vielen Informationen des Vortrages nachlesen möchte, kann diesen ab Dezember 2017 erwerben. Der 2. Teil folgt in der Ausgabe 2019.

 

Mein Dank gilt allen Referenten und unseren Partnern bei der Gestaltung der Gemeinschaftsveranstaltungen des Veranstaltungsjahres 2017, den Verantwortlichen des Residenzschlosses zu Altenburg und der Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes zu Altenburg (GAGO). Ich hoffe auf eine weitere, erfolgreiche Zusammenarbeit für unser Altenburger Land. Für 2018 haben wir wieder 4 offene Veranstaltungen geplant. Mit Buchpräsentation, Vorstellung von Forschungsergebnissen, Ahnenbörse und Fachinformationen zur Forschungspraxis und Internet wollen wir zur Interessensbildung für die Heimat- und Familienforschung anregen. Ich wünsche Ihnen eine besinnliche Advents- und Weihnachtszeit und für 2018 beste Gesundheit und Erfolg bei der persönlichen Forschung.

 

Ihr

Steffen Klingner, Altenburg, November 2017